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IP-Telefonie (kurz für Internet-Protokoll-Telefonie), auch Internet-Telefonie oder Voice over IP (kurz VoIP) genannt, ist das Telefonieren über Computernetzwerke, welche nach Internet-Standards aufgebaut sind.

Warum will die Telekom die bisherigen ISDN-Anschlüsse überhaupt loswerden?
Das Konzept der Telekom und anderer Anbieter fürs Festnetz heißt „All-IP“ – Rufaufbau, Vermittlung und die Sprach-Datenübertragung sollen einheitlich übers Internet-Protokoll erfolgen. Dies macht die Netzstruktur einfacher und ist unterm Strich für die Anbieter deutlich billiger.

Welche Konsequenzen hat der Wechsel für vorhandene Endgeräte?
Betroffene Kunden können ihre bisherigen Geräte wie Telefone, TK-Anlagen und auch Faxgeräte weiter nutzen. Zu diesem Zweck stellen der von der Telekom angebotene DSL-Router Speedport W 724 V oder alternative Modelle wie die Fritzbox-Fon-Reihe von AVM eine S0-Schnittstelle zur Verfügung, die den bisher an ISDN-Anschlüssen üblichen NTBA ersetzt.
Analoge Endgeräte, die bisher über einen a/b-Adapter am ISDN hingen, können nun sogar direkt über eine analoge TAE-Buchse am Router angeschlossen werden. Allerdings gibt es dort nur zwei TAE-Buchsen – wer mehr Geräte hat, muss den Umweg über die ISDN-Buchse (S0-Bus) nehmen, die bis zu acht Endgeräte unterstützt. Probleme kann es bei reinen Datenendgeräten geben wie zum Beispiel bei ISDN-Karten, Alarmanlagen sowie den im Handel verbreiteten EC-Karten-Terminals. Deren Nutzer müssen die Kompatibilität mit dem Hersteller beziehungsweise Anbieter klären. Oft (etwa im Fall von ISDN-Karten) ist der Wechsel zu einer IP-Lösung technisch sinnvoller.

Worauf muss man bei der Auswahl des DSL-Routers achten?
Im Telekom-Sortiment unterstützt bislang nur der ältere Router W 921 V die ISDN-Schnittstelle S0. Es gibt aber Überlegungen, für das modernere Modell W 724 V (und andere) künftig einen externen Adapter von S0 auf IP anzubieten. Wer einen Router von einem unabhängigen Anbieter wie etwa AVM nutzen will, braucht dazu die Einwahldaten seines DSL-Anschlusses. Die Telekom stellt diese Daten ihren Kunden bisher noch zur Verfügung, andere Anbieter wie etwa Vodafone halten sie geheim und setzen so einen „Routerzwang“ durch – also die Verpflichtung, eine vom Anbieter gelieferte DSL-Box zu verwenden. Wer einen VDSL-Anschluss besitzt, muss außerdem darauf achten, dass der gewählte Router diesen Anschlusstyp auch unterstützt. Die beiden Telekom-Modelle W 724 V und W 921 V tun dies – der Zusatz „V“ weist darauf hin.

 

Wie steht es um die Sprachqualität am IP-Anschluss?
Am IP-Anschluss telefoniert man per VoIP (Voice-over- IP). Im Vergleich zu ISDN ist die Sprachqualität dabei minimal schlechter – allerdings sind die Unterschiede in den meisten Fällen nur noch gering.
Prinzipbedingt lieferte ISDN aber zuverlässig eine immer gleiche Sprachqualität, während die Verständlichkeit bei VoIP von Faktoren wie der Auslastung des IP-Anschlusses und der Übertragungsstrecken bis zum Zielanschluss abhängt.
Problematischer sind die Signallaufzeiten, die am IP-Anschluss deutlich höher sind als bei ISDN. Kommen außerdem noch weitere Verzögerungen etwa durch DECT-Telefone, Bluetooth-Headsets, WLAN-Strecken und ähnliches dazu, kann dies zu störenden Verzögerungen und Pausen im Gespräch führen.


Wie steht es um die Zuverlässigkeit und Erreichbarkeit am IP-Anschluss?
Das ist die Achillesferse der IP-Technik: Fällt der DSL-Anschluss aus oder hat der Router ein Problem, ist automatisch auch der IP-Telefonanschluss gestört. ISDN lief dagegen meist auch dann problemlos weiter, wenn die DSL-Verbindung ausfiel. Zudem boten ISDN und der früher übliche Analoganschluss eine unabhängige Notstrom-Speisung (wobei nur wenige ISDN-Telefone diese Option unterstützen). Am IP-Anschluss ist bei einem Stromausfall hingegen auch der Router tot – und somit die gesamte Festnetzleitung. Dies mag heute aber nicht mehr ganz so schlimm sein, weil für Anrufe bei der Störungs-Hotline oder bei Notdiensten in der Regel ein Handy zur Verfügung steht.
Am ISDN-Anschluss ließen sich zwei Gespräche gleichzeitig führen, und es gab bis zu zehn Rufnummern.

Was bietet der IP-Anschluss?
Diese Möglichkeiten hat die Telekom am IP-Anschluss nachgebildet. Je nach Bandbreite des DSL-Anschlusses und verwendeten Endgeräten lassen sich sogar mehr als zwei IP-Verbindungen gleichzeitig nutzen.Die dem ISDN-Anschluss zugewiesenen drei bis zehn Rufnummern werden beim Wechsel zum neuen IP-Anschluss mit umgezogen.

 



Stehen ISDN-Komfortmerkmale wie Rufnummernanzeige, Dreierkonferenzen oder Rückruf bei Besetzt weiter zur Verfügung?
Diese Komfortmerkmale bietet die Telekom schon seit längerer Zeit an allen von ihr vermarkteten Anschlusstypen an. Sie stehen also auch nach dem Wechsel auf All-IP zur Verfügung.
Allerdings ist für die Umsetzung der entsprechenden ISDN-Protokolle oder Analog-Signalisierungen ins IP-Format der VoIP-Router oder S0-auf-IP-Adapter zuständig. Dabei kann es im Zusammenspiel insbesondere mit unterschiedlichen ISDN-Endgeräten in Einzelfällen Schwierigkeiten geben.


Werden Änderungen bei der Verkabelung meines Hauses oder meiner Wohnung nötig?
Sofern der VoIP- und DSL-Router am gleichen Standort steht wie die bisherige Kombination aus Splitter und NTBA, können Sie Ihre bisherige Verkabelung unverändert beibehalten. Denn die Telefonsignale werden bei Ihnen zu Hause (also intern, „hinter“ dem Router) genauso transportiert wie bisher: Über Kupferdoppeladern als Analogsignal oder vier Kupferadern als S0-Bus. Oder aber über den Schnurlostelefonie-Standard DECT. Die Datenübertragung von IP-Paketen per Ethernet, WLAN oder Powerline wäre allenfalls für spezielle, neu hinzukommende Endgeräte wie WLAN-Telefone oder spezifische VoIP-Telefone erforderlich.

Funktionieren auch Faxgeräte am IP-Anschluss?
Grundsätzlich ja, allerdings kann eine mehrfache Signalwandlung (zum Beispiel analoge Faxsignale nach ISDN nach IP und zurück) zu Problemen führen. Wenn Sie im Router oder IP-Adapter Faxnebenstellen gezielt ausweisen können, sollten Sie dies auf jeden Fall tun. Außerdem kann es sich bei häufigen Übertragungsproblemen lohnen, in den Einstellungen des Faxgeräts die maximale Übertragungsrate („Baudrate“) auf einen niedrigen Wert wie 14400 oder 9600 Bit/s zu fixieren. Auch manche Analog-Adapter bieten eine solche Baudratenbegrenzung an.


Der IP-basierte Anschluss unterstützt HD-Telefonie. Was brauche ich dazu?
Die höhere Bandbreite bei Telefonaten zählt zu den klaren Vorteilen von IP-Anschlüssen. Um davon zu profitieren, müssen allerdings mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

    Ihr Endgerät muss HD-Telefonie unterstützen. Bei schnurlosen Telefonen erkennen Sie dies am Übertragungsstandard „CAT-iq“.
    Auch die Basisstation muss HD-Voice-tauglich sein. Die Telekom-Router W 724 V und W 921 V sind es, ebenso alle aktuellen Fritzbox-Fon-Modelle von AVM.
    Der Angerufene muss ebefalls einen IP-Anschluss und HD-Endgeräte nutzen.

Sind diese Kriterien erfüllt, sollten Telefonate mit natürlicherem Klang übertragen werden (technisch: mit einem Frequenzumfang von 7 Kilohertz statt bisher 3,4 kHz).

Hat All-IP auch Vorteile?
Neben der HD-Telefonie bewirbt die Telekom noch weitere Funktionen wie etwa die Möglichkeit, Rufumleitungen übers Internet zu konfigurieren (das klappte freilich auch schon mit ISDN).
Eine weitere Funktion des Telekom-Routers W 724 V, die allerdings nichts mit dem Thema Telefonie zu tun hat, ist die Bereitstellung eines öffentlichen Hotspots für Teilnehmer von „WLAN to go“.

Wie steht es mit den Kosten?
Das hängt davon ab, was Sie genau bestellen. So will die Telekom ihre IP-Anschlüsse gern mit dem (teureren) IPTV-Dienst Entertain koppeln. Vergleicht man die Kombination ISDN+DSL mit dem neuen Angebot IP-Telefonie+ DSL, liegen die Grundgebühren und Telefontarife im Wesentlichen gleich. Hinzu kommen aber gegebenenfalls noch die Kauf- oder Mietkosten für den neuen Router.

Wie sollten betroffene Kunden vorgehen?
Nach aktuellem Kenntnisstand plant die Telekom, ihr ISDN-Netz 2022 endgültig abzuschalten. Spätestens dann wird eine Umstellung unausweichlich. Lassen Sie sich aber nicht drängen, insbesondere nicht durch Werbeanrufe. Klären Sie auf jeden Fall in Ruhe, ob Ihre Geräte, Anwendungen und Verkabelung auf den IP-Anschluss vorbereitet sind.


Quelle www.connect.de

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